Trinkwasser spülen nach Stillstand: der Tag der Wiedereröffnung
Gerade kommen alle zurück: aus dem Urlaub in die Wohnung, nach der Betriebsruhe ins Büro. Und in vielen Häusern geht ein Trakt wieder auf, der über die Ferien zu war. Der erste Handgriff ist überall derselbe: Hahn auf, laufen lassen. Zu Hause ist die Sache damit erledigt. Im Gebäude fängt die Arbeit hier erst an, denn Trinkwasser spülen nach Stillstand heißt: jede Entnahmestelle einzeln.
Im geschlossenen Trakt zählt jede Entnahmestelle einzeln
Der Rat für die eigene Wohnung stimmt. Das Umweltbundesamt empfiehlt, Wasser, das vier Stunden oder länger in der Leitung stand, kurz ablaufen zu lassen, bis es spürbar kühler wird.
Wer drei Wochen weg war, lässt es eben länger laufen, an jedem Hahn einmal. Drei Hähne, zehn Minuten, fertig.
Und jetzt derselbe Handgriff, aber in einem Hotel: ein Trakt mit 60 Zimmern, der über die Ferien geschlossen war. Das sind nicht drei Hähne, das sind 60 Duschen und 60 Waschbecken, dazu die Handbrause über der Wanne, die Personaldusche im Keller und der Ausguss in der Putzkammer.
Eine zentrale Spülung, die den ganzen Trakt auf einmal erledigt, gibt es dafür nicht. Jede Entnahmestelle bekommt ihren eigenen Durchgang, ganz geöffnet und lange genug, damit der Leitungsinhalt wirklich ausgetauscht wird. Innerhalb dieser Runde öffnen Sie durchaus mehrere Stellen zugleich, weil die Verteilleitungen nur so genug Durchfluss sehen. Weniger werden die 60 Duschen dadurch nicht: Eine Person schafft an einem Vormittag einen Flur.
Dazu kommt: Sie betreiben eine Anlage, die nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik laufen muss, so verlangt es die Trinkwasserverordnung. Deshalb braucht der Öffnungstag einen Plan und nicht guten Willen. Welche Duschen im Haus wirklich betroffen sind, haben wir woanders erklärt.
Trinkwasser spülen nach Stillstand: die Dauer entscheidet
Die 72 Stunden stehen in der Richtlinie. Die Zahl, die Ihnen am Öffnungstag fehlt, steht in Ihrem Belegungsplan: seit wann fließt an dieser Stelle nichts mehr? Spätestens alle 72 Stunden muss an jeder Stelle der Installation Wasser ausgetauscht werden, durch Nutzung oder durch gezieltes Spülen, so verlangt es VDI 6023 Blatt 1.
Die Uhr läuft dabei an jeder Entnahmestelle für sich. Deshalb kann ein gut ausgelastetes Haus dreißig Duschen haben, die seit Monaten trocken sind, und deshalb ist die Frage, ab wann die 72 Stunden überhaupt laufen, alles andere als akademisch.
| Wie lange kein Wasseraustausch | Was fällig ist | Wer es macht |
|---|---|---|
| bis 72 Stunden | nichts Zusätzliches, die Nutzung tauscht das Wasser aus | das Haus selbst |
| 72 Stunden bis 7 Tage | mindestens 5 Minuten spülen, mehrere Entnahmestellen gleichzeitig offen, bis keine ausgelassen ist | eigenes Personal |
| über 7 Tage bis 4 Wochen | reinigendes Spülen, vollständiger Wasseraustausch nach DVGW W 551-3 (A) | in der Regel ein Fachbetrieb |
| über 4 Wochen | zusätzlich mikrobiologische Kontrolluntersuchungen, in Kalt- und Warmwasser | zugelassene Untersuchungsstelle |
| über 6 Monate | zusätzlich: der Anschluss ans Versorgungsnetz wird getrennt | Wasserversorger und Fachbetrieb |
Einstufung nach VDI 3810 Blatt 2 / VDI 6023 Blatt 3 (Tabelle 2), DIN EN 806-5 und DVGW-Arbeitsblatt W 551-3 (A). Eigene Darstellung.
Ein Saisonbetrieb, der im Oktober zumacht und im April wieder aufsperrt, landet genau in der letzten Zeile. Sprechen Sie mit dem Gesundheitsamt, solange der Bereich noch läuft, und nicht am Öffnungstag.
Vor der Wiedereröffnung zählt deshalb zuerst, seit wann welcher Bereich steht. Wie lange dann gespült wird, ergibt sich daraus.
Wann reicht die eigene Spülrunde nicht mehr?
Ab sieben Tagen ist es nicht mehr dieselbe Arbeit. Jetzt wird reinigend gespült: Strahlregler und Duschköpfe kommen ab, und das Wasser läuft mit deutlich mehr Durchfluss als bei einer Routinespülung.
Das macht ein Fachbetrieb, nicht der Haustechniker mit dem Eimer. Eine Desinfektion kommt erst dazu, wenn eine mikrobielle Kontamination vorliegt.
Wer nach der Schließzeit als Erster duscht
Am Öffnungstag steht am Ende jeder Leitung ein Mensch. Im Pflegeheim zieht in das leer stehende Zimmer jemand mit 85 Jahren ein, und im Krankenhaus duscht ein Patient, der gerade in Behandlung ist.
Das soll nicht dramatisch klingen, aber es ist der Grund, warum die Reihenfolge am Öffnungstag nicht beliebig ist. Sortieren Sie die Runde nach der Belegung.
Zuerst die Entnahmestellen, die am Öffnungstag wieder benutzt werden. Und kein Zimmer wird wieder belegt, bevor an seiner Dusche und am Waschbecken Wasser gelaufen ist. Wer stattdessen Stockwerk für Stockwerk durchgeht, gibt vormittags Zimmer frei, in denen noch kein Wasser gelaufen ist.
Dazu der Kalender: Ein Termin beim Fachbetrieb braucht Vorlauf. Wer im September wieder aufmacht und im September anfängt zu telefonieren, öffnet mit stehendem Wasser im Trakt.
Im Pflegeheim und in der Klinik entsteht so ein Stillstand meist mitten im Jahr, an einem einzelnen Zimmer. Es steht sechs Wochen leer und wird kurzfristig wieder belegt: Wer den Leerstand mitschreibt, sieht solche Fälle kommen.
Kurz gefasst
- Vor der Schließung mit dem Gesundheitsamt klären, ob eine Wasserprobe fällig wird.
- Steht der Bereich länger als sieben Tage still: den Termin beim Fachbetrieb Wochen vor dem Öffnungstag vereinbaren.
- Die Runde nach der Belegung sortieren: zuerst die Zimmer, die am Öffnungstag wieder vergeben werden.
- Kein Zimmer wird wieder belegt, bevor an seiner Dusche und am Waschbecken Wasser gelaufen ist.
- Jede Spülung mit Datum und Entnahmestelle festhalten.
Der Öffnungstag, Schritt für Schritt
Gespült wird in Fließrichtung, vom Hausanschluss ausgehend bis zur entferntesten Entnahmestelle, damit frisches Wasser wirklich durch das ganze Netz läuft. Kalt und warm laufen getrennt.
Der Öffnungstag
Fünf Schritte, in dieser Reihenfolge
„Jede“ ist wörtlich gemeint, von der Handbrause über der Wanne bis zur Personaldusche im Keller. Eine übersprungene Tür genügt, und der Strang dahinter bleibt stehen. Im Protokoll gilt er trotzdem als gespült.
Bleibt Wasser irgendwo stehen, herrschen genau die Bedingungen, unter denen Legionellen wachsen. Wärme und Stillstand, mehr brauchen sie nicht.
Zu Hause fragt niemand nach einem Zettel. Im Haus muss der Betreiber zeigen können, was tatsächlich gelaufen ist, und dafür gibt es eine eigene Richtlinie für Außerbetriebnahme und Wiederinbetriebnahme mit Musterprotokollen.
Eine Spülung, die niemand mit Datum und Entnahmestelle festgehalten hat, hat am Öffnungstag stattgefunden und im Ordner nie.
Damit der Stillstand gar nicht erst so lang wird
Wenn Sie einen Bereich schließen, haben Sie drei Wege.
Sie lassen alles stehen und zahlen am Ende die Reinigung und Desinfektion. Oder Sie spülen von Hand weiter, was funktioniert, solange jemand die Runde durch den leeren Trakt wirklich geht, jede Woche, auch im Februar. Oder Sie nehmen den Bereich geplant außer Betrieb und später wieder in Betrieb, mit Absperrung und mit der Dokumentation, die dazugehört.
Für die Duschen kommt ein vierter Weg dazu: den Takt dort gar nicht erst abreißen zu lassen. Aqvior ist eine Aufputz-Duscharmatur mit integrierter Hygienespülung. Sie kommt ohne Badsanierung auf den bestehenden Anschluss, in unter einer Stunde.
Die Spüldauer wird bei der Inbetriebnahme einmal eingestellt und läuft danach jedes Mal gleich ab, mit Zeitstempel, Dauer und Wassertemperatur im Web-Dashboard. Das ist Vorsorge. Einen Befund saniert Aqvior nicht, und sie ersetzt die Legionellenprüfung nicht. Kann eine Armatur die Reinigung und Desinfektion nach sieben Tagen übernehmen? Nein, auch keine automatische. Waschbecken, WC und Küche behalten ihre eigene Routine. Was sie kann: dafür sorgen, dass es an der Dusche gar nicht erst so weit kommt.
Was sich ändert, ist die Ausgangslage am Öffnungstag. Eine Dusche, die während der Schließzeit im Takt geblieben ist, startet bei 72 Stunden statt bei vier Monaten.
Häufige Fragen
Wir schließen einen Trakt über den Winter. Reicht es, den Strang abzusperren?
Nein. Absperren ist nur einer der Schritte: Ein geschlossenes Ventil entfernt das Wasser nicht, das dahinter steht. Die geplante Außerbetriebnahme ist ein eigenes Verfahren mit festen Schritten, vom Trinkwassererwärmer bis zur Dokumentation. Wer nur zudreht, verschiebt die Arbeit auf den Öffnungstag.
Müssen auch die Zimmer gespült werden, die während der Schließzeit belegt waren?
Nein, wenn an ihren Entnahmestellen mindestens alle 72 Stunden Wasser lief. Es zählt die einzelne Entnahmestelle: Im belegten Zimmer läuft die Dusche täglich, während die Handbrause im zweiten Bad seit Wochen trocken ist. Diese Handbrause gehört auf die Spülrunde.
Gilt das alles auch für Waschbecken, WC und Küche?
Ja. Die Stufen nach Stillstandsdauer gelten an jeder Entnahmestelle im Haus. Bei der Dusche schaut man besonders genau hin, weil dort Trinkwasser minutenlang vernebelt wird, und genau diesen Fall nennt § 31 TrinkwV als eine der Bedingungen der Untersuchungspflicht.
Ändert ein langer Stillstand etwas an der Legionellenprüfung?
Am Intervall nicht. Wo Duschen und ein größerer Warmwasserspeicher zusammenkommen, lassen Hotels, Pflegeheime und Kliniken jährlich untersuchen. Die Untersuchung nach einer längeren Unterbrechung gehört zur Wiederinbetriebnahme und ersetzt die Jahresuntersuchung nicht.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz (2023): § 13 TrinkwV – Planung, Errichtung, Instandhaltung und Betrieb von Wasserversorgungsanlagen
- Bundesministerium der Justiz (2023): § 31 TrinkwV – Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec.
- VDI (2020-12): VDI/DVQST-EE 3810 Blatt 2.1 – Trinkwasser-Installationen: Außerbetriebnahme und Wiederinbetriebnahme
- VDI (2020): VDI 3810 Blatt 2 / VDI 6023 Blatt 3 – Betrieb und Instandhaltung von Trinkwasser-Installationen
- VDI (2023-09): VDI 6023 Blatt 1 – Hygiene in Trinkwasser-Installationen
- DVGW (2022-08): Arbeitsblatt W 551-3 (A) – Hygiene in der Trinkwasser-Installation, Teil 3: Reinigung und Desinfektion
- DIN EN 806-5 (2012-04): Technische Regeln für Trinkwasser-Installationen, Teil 5: Betrieb und Wartung
- Umweltbundesamt: Trinkwasser-Installation: Auf die letzten Meter kommt es an
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Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine rechtliche, technische oder gesundheitliche Beratung im Einzelfall. Angaben zu Legionellen und damit verbundenen Gesundheitsrisiken sind allgemeiner Natur und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Bewertung einer konkreten Trinkwasseranlage dar. Für die Umsetzung in Ihrem Betrieb sollten Sie die konkrete Situation mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen. Dieser Artikel enthält Links zu Produkten von Aqvior.