Auf einen Blick
- Grenzwert: nicht nachweisbar, 0 KBE/100 ml (Empfehlung der Trinkwasserkommission am UBA)
- Rechtsstatus: kein Pflichtparameter der TrinkwV, Untersuchung nur anlassbezogen
- Abgrenzung: nicht Teil der Legionellen-Routineuntersuchung (Legionella: Anlage 3 Teil II TrinkwV)
- Nachweis: kulturell nach DIN EN ISO 16266, aus 100-ml-Probe
- Klinische Relevanz: vor allem immunsupprimierte Patienten, häufiger Erreger nosokomialer Infektionen
Wo der Keim sitzt
Anders als Legionellen, die vor allem in der Verteilung und im Warmwasserspeicher entstehen, besiedelt Pseudomonas bevorzugt die letzten Zentimeter vor dem Austritt. Perlatoren, Strahlregler, Duschschläuche und Duschköpfe bieten ihm Feuchtigkeit, Restwasser und Oberfläche.
Pseudomonas und Legionellen im Vergleich
| Legionella spp. | Pseudomonas aeruginosa | |
|---|---|---|
| Hauptort | Warmwasserspeicher, Verteilung | Endständige Armaturen, Perlatoren |
| Temperaturoptimum | 25 bis 45 °C | 30 bis 37 °C, auch kälter tolerant |
| Übertragung | Aerosol, Einatmen | Kontakt, Wunden, Aerosol |
| Pflichtprüfung TrinkwV | ja, § 31 | nein, nur anlassbezogen |
| Anforderung | Maßnahmenwert 100 KBE/100 ml | nicht nachweisbar, unter 1 KBE/100 ml |
| Hauptrisikogruppe | Ältere, Vorerkrankte, Raucher | Immunsupprimierte, Wunden, Katheter |
Angaben nach Trinkwasserverordnung (§ 31 TrinkwV), Umweltbundesamt (UBA) und den KRINKO-Empfehlungen des Robert Koch-Instituts. Eigene Darstellung.
Wie Pseudomonas nachgewiesen wird
Der Nachweis erfolgt kulturell aus einer 100-ml-Wasserprobe nach DIN EN ISO 16266. Weil Pseudomonas nicht Teil der jährlichen Legionellenprüfung ist, muss die Probenahme gezielt beauftragt werden, in der Regel bei einem Verdacht, nach einer Häufung von Infektionen oder als Teil eines Hygieneplans. Beprobt werden vor allem die endständigen Entnahmestellen in Risikobereichen, weil genau dort der Keim sitzt.
Warum er in Kliniken besonders kritisch ist
Pseudomonas gehört zu den häufigsten Erregern nosokomialer Infektionen. Bei Patienten mit offenen Wunden, Kathetern oder künstlicher Beatmung genügen bereits geringe Keimzahlen. Dazu kommt: Viele Stämme sind gegen mehrere Antibiotika resistent, was die Behandlung deutlich schwieriger macht.
Was gegen die Besiedlung hilft
Regelmäßiger Wasseraustausch verhindert, dass Restwasser in endständigen Bauteilen tagelang steht, denn stehendes Restwasser begünstigt die Besiedlung. Ergänzend gehören Duschköpfe und Perlatoren in Risikobereichen in einen festen Wechsel- und Reinigungsturnus.
In Hochrisikobereichen wie Transplantations- oder Intensivstationen sitzen zusätzlich endständige Sterilfilter am Austritt und halten den Keim direkt dort zurück. Eine thermische Desinfektion der Verteilung allein reicht dagegen oft nicht, weil sie die endständigen Bauteile nicht ausreichend erreicht.
Automatischer Wasseraustausch an der Dusche