Auf einen Blick
- Wasseraustausch spätestens alle 72 Stunden je Entnahmestelle (VDI/DVGW 6023, bestimmungsgemäßer Betrieb)
- Spülen bis zur Temperaturkonstanz, Entnahmestelle voll geöffnet
- Kalt- und Warmwasser getrennt austauschen
- Über 7 Tage Stagnation: vollständiger Wasseraustausch nach DVGW W 557
- Betriebspflicht mindestens nach den allgemein anerkannten Regeln der Technik (§ 13 TrinkwV 2023)
Wie oft ist eine Hygienespülung nötig?
Die VDI/DVGW 6023 wertet einen fehlenden Wasseraustausch über mehr als 72 Stunden als Betriebsunterbrechung. Das Intervall gilt pro Entnahmestelle, nicht pro Gebäude: eine Dusche, die seit vier Tagen nicht genutzt wurde, ist fällig, auch wenn das Haus gut ausgelastet ist.
Wie lange muss gespült werden?
Welche Maßnahme fällig ist, hängt davon ab, wie lange das Wasser gestanden hat. Die folgende Einstufung fasst zusammen, was ab welcher Stagnationsdauer zu tun ist:
Kein Sondervorgang nötig. Der Wasseraustausch erfolgt durch die normale Nutzung.
Mindestens 5 Minuten an mehreren voll geöffneten Entnahmestellen, bis frisches Wasser ankommt.
Spülung nach DVGW W 557 (A), Strahlregler abschrauben. In der Regel Sache des Fachbetriebs.
Umfang und Vorgehen nach Vorgabe des zuständigen Gesundheitsamts.
Einstufung nach VDI/DVGW 6023 und DVGW-Arbeitsblatt W 557 (A). Eigene Darstellung.
Temperaturkonstanz bedeutet, dass das Wasser an der Entnahmestelle dieselbe Temperatur erreicht hat wie das frische Wasser in der Zuleitung. Kalt- und Warmwasser sind getrennt zu betrachten: kalt bis es dauerhaft kalt bleibt, warm bis es heiß ankommt.
Warum die Entnahmestelle voll geöffnet sein muss
Die VDI 6023 Blatt 1 verlangt bei Stagnationsspülungen eine turbulente Strömung. Ein halb geöffneter Hahn tauscht zwar das Wasser aus, löst aber den Biofilm nicht an. In weitläufigen Anlagen müssen für die Verteilleitungen mehrere Entnahmestellen gleichzeitig laufen.
In welcher Reihenfolge wird gespült?
Gespült wird grundsätzlich von der Zuleitung nach außen zur entferntesten Entnahmestelle, damit frisches Wasser das gesamte Netz durchläuft. Kalt- und Warmwasser werden getrennt behandelt. Bei mehreren Strängen beginnt man an der Stelle, die dem Hausanschluss am nächsten liegt, und arbeitet sich zu den peripheren Entnahmestellen vor.
Entscheidend ist, dass wirklich jede Entnahmestelle erreicht wird. Eine einzige vergessene Dusche genügt, um einen stagnierenden Bereich zu hinterlassen, in dem sich Legionellen ungestört vermehren. Genau diese lückenlose Abdeckung ist der Grund, warum die Dokumentation je Entnahmestelle so wichtig ist.
Warum manuelles Spülen in der Praxis scheitert
Ohne Messung ist das Ende der Spülung nicht erkennbar, also wird aufgerundet, jeden Tag, an jeder Dusche. Dazu kommt die Frage davor: Welche Entnahmestelle ist überhaupt fällig? Wann zuletzt geduscht wurde, steht in keinem Belegungssystem.
Für Ihre Einrichtung
Das Intervall gilt für jede Einrichtung gleich; der Aufwand unterscheidet sich nach Betriebsart.