Auf einen Blick
- Vermehrung zwischen 25 und 45 °C
- Absterben ab 60 °C, Hemmung bereits über 55 °C
- Warmwasser ≥ 60 °C, Zirkulation ≥ 55 °C nach DVGW W 551
- Stagnation begünstigt das Wachstum; regelmäßiger Wasseraustausch wirkt dem entgegen
- Biofilm als Rückzugsort und Schutz vor kurzzeitiger Erhitzung
Der Temperaturbereich
| Temperatur | Verhalten der Legionellen |
|---|---|
| unter 20 °C | praktisch keine Vermehrung |
| 25 bis 45 °C | optimale Vermehrung |
| 45 bis 55 °C | Vermehrung verlangsamt |
| über 55 °C | Vermehrung gehemmt |
| über 60 °C | Absterben innerhalb von Minuten |
| über 70 °C | Absterben innerhalb von Sekunden |
Deshalb schreiben die Regelwerke vor, Warmwasser mit mindestens 60 °C bereitzustellen und in der Zirkulation nicht unter 55 °C fallen zu lassen (DVGW W 551), während Kaltwasser dauerhaft unter 25 °C bleiben soll (VDI 6023 Blatt 1 und DIN 1988-200). Kritisch sind die Übergangsbereiche: ungedämmte Kaltwasserleitungen neben warmen Steigsträngen, oder Warmwasserleitungen, die zwischen zwei Nutzungen auskühlen. Genau hier landet das Wasser über Stunden im idealen Wachstumsbereich.
60 °C am Austritt, 55 °C in der Zirkulation
Aus der Biologie folgt die Regel: Das Warmwasser verlässt den Speicher mit mindestens 60 °C, und auf seiner Runde durch das Haus darf es nicht unter 55 °C fallen. Mehr als fünf Grad soll es dabei nicht verlieren. Wer die Speichertemperatur absenkt, um Energie zu sparen, schiebt die Anlage genau in den Bereich, in dem Legionellen am besten wachsen.
Der Warmwasserspeicher
Der Speicher ist der Ort, an dem die meiste Wärme und das meiste Wasser zusammenkommen. Ist er größer als nötig, steht ein Teil des Inhalts lange, und die unteren Schichten sind kühler als die oberen. Deshalb zählt nicht nur, welche Temperatur oben am Fühler steht, sondern ob das ganze Volumen sie erreicht. Wie lange es dauert, bis die Temperatur an der Entnahmestelle wirklich ansteht, steht unter wie lange Sie Wasser laufen lassen müssen.
Wo die 60 °C nicht ankommen dürfen
An manchen Entnahmestellen darf das Wasser gar nicht so heiß herauskommen. Wo Menschen sich verbrühen könnten, begrenzt ein Mischer die Temperatur direkt an der Armatur. Das ist richtig so, und es hat eine Folge, die selten jemand ausspricht: Der Temperaturschutz endet dort. Hinter dem Mischer hält nicht mehr die Wärme das Wasser sauber, sondern nur noch der regelmäßige Austausch.
Warum Stagnation ein wesentlicher Faktor ist
Fließt Wasser regelmäßig, wird es ausgetauscht, bevor sich nennenswerte Populationen aufbauen können. Steht es tagelang in der Leitung, nimmt es die Umgebungstemperatur an und landet fast zwangsläufig im kritischen Bereich. Deshalb ist das leerstehende Zimmer, nicht das belegte, ein zentraler Risikofaktor.
Die Rolle des Biofilms
Auf der Innenseite jeder Leitung bildet sich ein Biofilm aus Mikroorganismen. Legionellen leben darin geschützt und vermehren sich in Amöben, die den Biofilm besiedeln. Der Biofilm ist damit weniger Nebenprodukt als Voraussetzung: er macht Legionellen widerstandsfähig gegen kurzzeitige Temperaturspitzen und Desinfektion.
Das erklärt, warum eine einmalige Erhitzung das Problem selten dauerhaft löst. Eine thermische Desinfektion senkt die Keimzahl kurzfristig, doch solange der Biofilm intakt bleibt und das Wasser weiter stagniert, baut sich die Population innerhalb weniger Wochen wieder auf. Nachhaltig wirkt nur die Kombination aus richtiger Temperatur und regelmäßigem Wasseraustausch.
Wo Legionellen im Gebäude sitzen
Nicht jede Stelle im Trinkwassersystem ist gleich anfällig. Die Vermehrung begünstigen vor allem Stellen, an denen Wasser steht oder lauwarm wird:
- Selten genutzte Entnahmestellen wie Duschen in leerstehenden Zimmern oder Gästebädern.
- Totleitungen und Totstränge, also Leitungsabschnitte ohne regelmäßigen Durchfluss, oft Reste stillgelegter Anschlüsse.
- Warmwasserspeicher unter 60 °C oder Zirkulationen, die die Temperatur nicht überall halten.
- Überdimensionierte oder ungedämmte Leitungen, in denen sich Wasser langsam bewegt oder erwärmt.
- Duschköpfe, Schläuche und Strahlregler, in denen sich Ablagerungen und Biofilm sammeln.
In der Praxis reicht schon eine einzige vernachlässigte Dusche, um erhöhte Werte in einer sonst gut gewarteten Anlage zu verursachen.
Wie die Übertragung stattfindet
Legionellen werden nicht durch Trinken übertragen, sondern über lungengängige Aerosole, also feinste Wassertröpfchen mit einem Durchmesser von wenigen Mikrometern. Nur diese gelangen beim Einatmen tief in die Lunge, wo die Bakterien eine Lungenentzündung auslösen können. Deshalb ist die Dusche der kritischste Punkt im Gebäude, denn sie zerstäubt das Wasser genau in diese feine Größe. Auch Wasserhähne mit Strahlregler, Whirlpools oder Klimaanlagen mit Verdunstungskühlung erzeugen solche Aerosole.
Wie viele Menschen tatsächlich erkranken, wird deutlich unterschätzt: Das Robert Koch-Institut nennt im RKI-Ratgeber Legionellose (Stand 2021) eine gemeldete Inzidenz von rund 1,7 Fällen je 100.000 Einwohner (2018). Auf Basis von Studien wird die tatsächliche Inzidenz nicht-Krankenhaus-assoziierter (ambulant erworbener) Fälle auf 18 bis 36 je 100.000 geschätzt. Der Großteil der Fälle bleibt also unerkannt. Aktuelle Meldezahlen veröffentlicht das RKI im Infektionsepidemiologischen Jahrbuch.
Symptome und Krankheitsverlauf