Wie entstehen Legionellen? Grundlagen

Legionellen kommen natürlicherweise in geringer Zahl im Wasser vor. Gefährlich werden sie erst, wenn drei Bedingungen zusammentreffen: Temperaturen vor allem zwischen 25 und 45 °C, stagnierendes Wasser und ein Biofilm, der Nährstoffe und Schutz bietet.

Auf einen Blick

  • Vermehrung zwischen 25 und 45 °C
  • Absterben ab 60 °C, Hemmung bereits über 55 °C
  • Warmwasser ≥ 60 °C, Zirkulation ≥ 55 °C nach DVGW W 551
  • Stagnation begünstigt das Wachstum; regelmäßiger Wasseraustausch wirkt dem entgegen
  • Biofilm als Rückzugsort und Schutz vor kurzzeitiger Erhitzung
Wasserstrahl trifft auf eine Hand, Sinnbild für Trinkwasser aus der Leitung, Legionellen im Trinkwasser
Legionellen sind im Wasser weder sichtbar noch schmeckbar. Entscheidend sind Temperatur, Stagnation und Biofilm.

Der Temperaturbereich

TemperaturVerhalten der Legionellen
unter 20 °Cpraktisch keine Vermehrung
25 bis 45 °Coptimale Vermehrung
45 bis 55 °CVermehrung verlangsamt
über 55 °CVermehrung gehemmt
über 60 °CAbsterben innerhalb von Minuten
über 70 °CAbsterben innerhalb von Sekunden
050100202545556070 °CRelative Vermehrung (%)unter 20 °C: kaum25 bis 45 °C: optimalüber 60 °C: Absterben
Temperaturbereiche nach Robert Koch-Institut, RKI-Ratgeber Legionellose. Schematische Darstellung, eigene Grafik.

Deshalb schreiben die Regelwerke vor, Warmwasser mit mindestens 60 °C bereitzustellen und in der Zirkulation nicht unter 55 °C fallen zu lassen, während Kaltwasser dauerhaft unter 25 °C bleiben soll (nach DVGW W 551). Kritisch sind die Übergangsbereiche: ungedämmte Kaltwasserleitungen neben warmen Steigsträngen, oder Warmwasserleitungen, die zwischen zwei Nutzungen auskühlen. Genau hier landet das Wasser über Stunden im idealen Wachstumsbereich.

Warum Stagnation ein wesentlicher Faktor ist

Fließt Wasser regelmäßig, wird es ausgetauscht, bevor sich nennenswerte Populationen aufbauen können. Steht es tagelang in der Leitung, nimmt es die Umgebungstemperatur an und landet fast zwangsläufig im kritischen Bereich. Deshalb ist das leerstehende Zimmer, nicht das belegte, ein zentraler Risikofaktor.

Die Rolle des Biofilms

Auf der Innenseite jeder Leitung bildet sich ein Biofilm aus Mikroorganismen. Legionellen leben darin geschützt und vermehren sich in Amöben, die den Biofilm besiedeln. Der Biofilm ist damit weniger Nebenprodukt als Voraussetzung: er macht Legionellen widerstandsfähig gegen kurzzeitige Temperaturspitzen und Desinfektion.

Das erklärt, warum eine einmalige Erhitzung das Problem selten dauerhaft löst. Eine thermische Desinfektion senkt die Keimzahl kurzfristig, doch solange der Biofilm intakt bleibt und das Wasser weiter stagniert, baut sich die Population innerhalb weniger Wochen wieder auf. Nachhaltig wirkt nur die Kombination aus richtiger Temperatur und regelmäßigem Wasseraustausch.

Wo Legionellen im Gebäude sitzen

Nicht jede Stelle im Trinkwassersystem ist gleich anfällig. Die Vermehrung begünstigen vor allem Stellen, an denen Wasser steht oder lauwarm wird:

In der Praxis reicht schon eine einzige vernachlässigte Dusche, um erhöhte Werte in einer sonst gut gewarteten Anlage zu verursachen.

Wie die Übertragung stattfindet

Legionellen werden nicht durch Trinken übertragen, sondern über lungengängige Aerosole, also feinste Wassertröpfchen mit einem Durchmesser von wenigen Mikrometern. Nur diese gelangen beim Einatmen tief in die Lunge, wo die Bakterien eine Lungenentzündung auslösen können. Deshalb ist die Dusche der kritischste Punkt im Gebäude, denn sie zerstäubt das Wasser genau in diese feine Größe. Auch Wasserhähne mit Strahlregler, Whirlpools oder Klimaanlagen mit Verdunstungskühlung erzeugen solche Aerosole.

Wie viele Menschen tatsächlich erkranken, wird deutlich unterschätzt: Das Robert Koch-Institut nennt eine gemeldete Inzidenz von rund 1,7 Fällen je 100.000 Einwohner (2018), geht auf Basis von Studien aber von einer tatsächlichen Zahl von 18 bis 36 je 100.000 aus. Der Großteil der Fälle bleibt also unerkannt.

Symptome und Krankheitsverlauf

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Häufige Fragen

Bei welcher Temperatur sterben Legionellen ab?

Ab etwa 60 °C sterben Legionellen ab, bei rund 70 °C innerhalb von Sekunden. Oberhalb von 55 °C wird ihr Wachstum bereits gehemmt, ihr Vermehrungsoptimum liegt zwischen 25 und 45 °C.

Sind Legionellen im Kaltwasser ein Thema?

Ja, sobald sich das Kaltwasser über 25 °C erwärmt, etwa an ungedämmten Leitungen neben warmen Steigsträngen oder bei geringer Nutzung im Sommer. Ob eine Anlage betroffen ist, zeigt erst eine Legionellenprüfung im Labor.

Sind Legionellen im Duschkopf ein Problem?

Ja. Duschköpfe zerstäuben das Wasser zu feinen Aerosolen, die beim Einatmen tief in die Lunge gelangen; zudem sammeln sich in ihnen Ablagerungen und Biofilm. Welche Beschwerden eine Infektion auslösen kann, beschreiben die Symptome einer Legionellose.

Reicht eine einmalige Erhitzung, um Legionellen dauerhaft zu beseitigen?

Nein. Eine thermische Desinfektion senkt die Keimzahl kurzfristig, beseitigt aber den Biofilm nicht. Ohne regelmäßigen Wasseraustausch baut sich die Population wieder auf; eine automatische Hygienespülung hilft, die nötigen Intervalle einzuhalten.

Kann man Legionellen im Wasser sehen oder schmecken?

Nein. Befallenes Wasser unterscheidet sich sensorisch nicht von einwandfreiem Wasser, es ist weder trüb noch im Geschmack verändert. Sicherheit gibt allein eine Laboruntersuchung.