Legionellen und Duschen: der kritische Punkt im Gebäude
Die Speichertemperatur stimmt, die Jahresuntersuchung war ohne Beanstandung, und trotzdem entscheidet sich das Legionellenrisiko in Ihrem Haus an einer Stelle, die in keinem dieser Nachweise vollständig auftaucht. Sie hängt in jedem Bad an der Wand, läuft mehrere Minuten am Stück und tut das direkt vor dem Gesicht des Menschen, der darunter steht.
Warum die Ansteckung über die Luft läuft
Legionellen machen krank, wenn man sie einatmet. Der übliche Weg führt über die Luft: Das Wasser wird zu feinem Nebel, und dieser Nebel kommt mit dem nächsten Atemzug in die Lunge. So beschreibt es der Ratgeber Legionellose des Robert Koch-Instituts. Trinken ist demgegenüber kein relevanter Infektionsweg, weil die Magensäure die Bakterien unschädlich macht. Relevant wird es erst, wenn man sich verschluckt und Wasser in die Atemwege gerät statt in den Magen.
Die Dusche liefert genau diesen Nebel. Der Duschkopf zerteilt den Strahl in winzige Tropfen, er tut das mehrere Minuten lang, und der Nebel bleibt in einem kleinen, warmen Bad auf Kopfhöhe stehen. Genau dort atmet der Mensch, der darunter steht. Keine andere Stelle im Haus erzeugt so lange so viel davon.
Infektionsweg
Eingeatmet, nicht getrunken
- Wasser mit Legionellen an der Entnahmestelle. Ob daraus eine Krankheit wird, entscheidet erst der Weg.
- Eingeatmet als feiner Nebel: So entsteht eine Legionellose in aller Regel. Die Dusche erzeugt genau diesen Nebel, minutenlang und auf Kopfhöhe.
- Getrunken: kein relevanter Infektionsweg. Relevant wird es erst, wenn man sich verschluckt und Wasser in die Atemwege gerät.
Die Dusche ist dabei nicht der einzige Ort, an dem Wasser vernebelt wird, und das Gesetz sagt das auch so: § 31 TrinkwV spricht von Duschen oder anderen Einrichtungen, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt. In der Praxis fallen darunter zum Beispiel Whirlpools oder Luftbefeuchter. Die Dusche ist nur der größte dieser Orte und der einzige, unter dem ein Mensch freiwillig minutenlang stehen bleibt. Warum sich die Bakterien im System überhaupt vermehren, steht in den Grundlagen dazu, wie Legionellen im Trinkwasser entstehen.
Die letzte Strecke bis zur Brause hält niemand warm
Warmes Wasser wird im Haus ständig im Kreis gepumpt, damit es überall heiß ankommt. Es verlässt den Speicher mit mindestens 60 °C und soll auf dieser Runde nicht unter 55 °C fallen. Das schreibt das DVGW-Arbeitsblatt W 551 als anerkannte Regel der Technik vor. Diese Runde heißt Zirkulation, und sie endet nicht an der Dusche. Das letzte Stück Rohr bis zur Brause zweigt von ihr ab, und dort hält nichts mehr die Temperatur.
Wie lang dieses letzte Stück sein darf, regelt die sogenannte 3-Liter-Regel: Fasst es nicht mehr als drei Liter, braucht es weder eine eigene Warmwasserrunde noch eine Begleitheizung, also ein Heizband am Rohr. Dieselben drei Liter stehen auch in § 31 TrinkwV: Fasst zwischen Speicher und Entnahmestelle, also jedem Auslass, mindestens eine Leitung mehr als drei Liter, gehört Ihre Anlage zu denen, die untersucht werden müssen.
Die 3-Liter-Regel
Wo die warm gehaltene Strecke endet
Diese Strecke ist gewollt kurz, aber sie ist da. Sobald jemand die Dusche zudreht, kühlt das Wasser darin ab und durchläuft dabei den Bereich zwischen 25 und 45 °C, in dem Legionellen die besten Wachstumsbedingungen finden, und je länger niemand aufdreht, desto länger bleibt es dort. Dazu kommen Duschkopf und Schlauch selbst, in denen Restwasser stehen bleibt und sich auf den Innenflächen Ablagerungen und Biofilm sammeln.
Für Sie heißt das: Der Nachweis über die Speichertemperatur beschreibt die Anlage bis zur Zirkulation. Er sagt nichts über das Wasser, das morgen früh jemand unter der Dusche einatmet.
Welche Duschen in Ihrem Haus wirklich betroffen sind
Nicht jede Dusche im Haus ist ein Problem, und das ist die entlastende Nachricht. Eine Dusche, unter der jeden Tag jemand steht, tauscht ihr Wasser selbst aus, gründlicher als jede Spülung es tut. Das Risiko sitzt vor allem dort, wo längere Zeit niemand aufdreht.
Im Hotel ist das das Zimmer, das seit drei Wochen nicht verkauft wurde, der Flügel, der von November bis März geschlossen bleibt, und das barrierefreie Zimmer, das seltener belegt ist. Im Pflegeheim ist es das Zimmer nach einem Auszug und der Sanitärbereich im Trakt, der gerade renoviert wird. In der Klinik ist es die Patientendusche, die zwischen zwei Belegungen tagelang trocken bleibt.
Dazu kommen die Duschen, an die niemand denkt, weil sie nicht wie eine Dusche aussehen: die Handbrause über der Badewanne, die zweite Nasszelle in der Suite, die Personaldusche im Keller. Jede von ihnen ist eine eigene Entnahmestelle mit einer eigenen Uhr.
Die eigentliche Arbeit ist deshalb nicht das Spülen, sondern die Frage davor: Welche Dusche ist heute fällig? Das Belegungssystem weiß, ob Zimmer 214 belegt war; ob darin auch geduscht wurde, weiß es nicht. Und selbst wenn die Liste stimmt, hängt alles daran, dass auf der Runde keine Tür übersehen wird und dass jeder Durchgang lange genug läuft. Im Zweifel spült man deshalb lieber alles und lässt jede Spülung großzügig länger laufen.
Wie viel Zeit dabei bleibt, ist festgelegt: VDI/DVGW 6023 verlangt, dass an jeder Stelle der Installation innerhalb von 72 Stunden Wasser entnommen und damit ausgetauscht wird, ob durch Nutzung oder durch gezieltes Spülen. Bleibt der Austausch länger aus, gilt das nach derselben Richtlinie als Betriebsunterbrechung. Wann diese 72 Stunden überhaupt zu laufen beginnen, ist die zweite offene Frage, und die klären wir bei den 72 Stunden und ihrem Startpunkt.
Was der Laborbefund über die Dusche nicht sagt
Die Untersuchung prüft die Installation, nicht die Armatur. Vor der Probenahme werden Strahlregler, also das Sieb am Auslauf, und andere Vorrichtungen entfernt. Und eine Probe direkt am Duschkopf ist für die systemische Untersuchung ausdrücklich nicht zulässig, so die Empfehlung des Umweltbundesamts. Der Grund dafür ist sachlich richtig: Das Labor soll das System bewerten und nicht das Bauteil am Ende der Leitung.
Ein unauffälliger Befund spricht deshalb dafür, dass Ihr System in Ordnung ist, und sagt nichts darüber, was sich in den letzten Zentimetern vor der Brause angesammelt hat. Wie oft und unter welchen Bedingungen geprüft wird, steht bei der Legionellenprüfung; die Pflicht greift ohnehin erst, wenn vier Bedingungen zusammentreffen, und die Dusche ist eine davon.
Umgekehrt ist die Dusche das Erste, was zugeht, wenn ein Befund hoch ausfällt. Ab dem technischen Maßnahmenwert von 100 KBE, also koloniebildenden Einheiten, in 100 Millilitern, festgelegt in Anlage 3 Teil II TrinkwV, laufen die Meldung an das Gesundheitsamt, die Risikoabschätzung und Maßnahmen nach § 51 TrinkwV. Bei sehr hohen Werten schränkt das Gesundheitsamt die Nutzung ein, bis hin zum Duschverbot. Ein Haus ohne nutzbare Duschen kann seine Gäste nicht beherbergen und seine Bewohner oder Patienten nicht versorgen.
Wie sich die Dusche in Bewegung halten lässt
Wasser an der Dusche in Bewegung zu halten, geht im Wesentlichen auf drei Wegen. Der Spülplan von Hand funktioniert, solange jemand die Runde tatsächlich geht und jede Spülung mit Datum und Entnahmestelle festhält, doch er scheitert an der Frage von oben, nämlich welche Dusche heute fällig ist. Zentrale Spülstationen arbeiten automatisch, spülen aber die Steigstränge, also die senkrechten Hauptleitungen, und enden vor der Dusche. Endständige Filter halten Bakterien direkt am Auslass zurück und sind bei einem hohen Befund eine sinnvolle Sofortmaßnahme, den geforderten Wasseraustausch ersetzen sie jedoch nicht. Daneben gibt es Armaturen und Ventile, die die Spülung am Ende der Strecke selbst auslösen und protokollieren.
| Weg | Läuft automatisch | Reicht bis zur Brause | Grenze in der Praxis |
|---|---|---|---|
| Spülplan von Hand | Nein | Ja, wenn jemand die Runde geht | Welche Dusche heute fällig ist, steht nirgends |
| Zentrale Spülstation | Ja | Nein, sie spült die Steigstränge | Endet vor der Dusche |
| Endständiger Filter | Ja, aber ohne Wasseraustausch | Ja, er hält am Auslass zurück | Ersetzt den geforderten Wasseraustausch nicht |
Quelle: VDI/DVGW 6023; DVGW-Arbeitsblatt W 551. Eigene Darstellung.
Aqvior setzt an der Dusche selbst an. Die Aufputz-Duscharmatur mit integrierter Hygienespülung kommt auf den bestehenden Anschluss, ohne Badsanierung, in unter einer Stunde. Sie braucht keinen Stromanschluss, weil sie selbstversorgend ist. Und jede Spülung landet automatisch im Web-Dashboard, aus dem sich der Compliance-Report als PDF ziehen lässt.
Die Spüldauer wird dabei bei der Inbetriebnahme einmal eingestellt, statt bei jedem Durchgang neu geschätzt zu werden. Das ist Vorsorge: Das Wasser steht gar nicht erst. Einen vorhandenen Befund saniert Aqvior deshalb nicht, und es ersetzt die Legionellenprüfung nicht, so wie Waschbecken, WCs und Küchenarmaturen ihre eigene Routine behalten. Was das im Betrieb bedeutet, sehen Sie in jedem Trakt, der länger leer steht: nach Saisonende im Hotel, zwischen zwei Belegungen im Pflegeheim, auf einer Station, die im Krankenhaus gerade saniert wird. Die Duschen laufen trotzdem weiter im Takt.
Häufige Fragen
Zählt eine Badewanne mit Handbrause als Dusche im Sinne der Trinkwasserverordnung?
Ja, wenn dabei Trinkwasser vernebelt wird. § 31 TrinkwV stellt nicht auf die Bauform ab, sondern auf Duschen oder andere Einrichtungen, in denen es zu einer Vernebelung des Trinkwassers kommt. Eine Handbrause über der Wanne zerstäubt Wasser genauso wie eine fest montierte Brause und gehört damit in den Spülplan.
Warum reicht kurzes Aufdrehen nach längerem Stillstand nicht?
Weil dabei nur das Wasser in Brause und Schlauch wechselt, nicht das in der Zuleitung. Genau dort steht die Menge, die tagelang niemand bewegt hat. Wie lange und unter welchen Bedingungen gespült werden muss, steht bei der Hygienespülung.
Werden Duschkopf und Duschschlauch bei der Legionellenprüfung mit untersucht?
Nein. Vor der Probenahme werden Strahlregler und andere Vorrichtungen entfernt, und eine Probe direkt am Duschkopf ist für die systemische Untersuchung nicht zulässig. Der Befund beschreibt die Installation. Was sich im Duschkopf abgesetzt hat, bleibt eine Frage von Reinigung, Wechsel und regelmäßigem Wasseraustausch.
Darf bei einem Legionellenbefund noch geduscht werden?
Das entscheidet das Gesundheitsamt, nicht der Betreiber. Ab dem Maßnahmenwert laufen die Meldung und die Risikoabschätzung, und je nach Höhe des Befunds schränkt die Behörde die Nutzung ein, bis hin zum Duschverbot. Welche Maßnahmen danach greifen, hängt von der Ursache ab und gehört in die Hand eines Fachbetriebs.
Genügt ein endständiger Filter an der Dusche?
Als Dauerlösung nicht. Endständige Filter halten Bakterien am Auslass zurück und sind bei einem hohen Befund eine sinnvolle Sofortmaßnahme, solange die Ursache bearbeitet wird. Den regelmäßigen Wasseraustausch ersetzen sie nicht: Wer filtert und das Wasser trotzdem stehen lässt, erfüllt die Betreiberpflicht nicht.
Quellen
- Bundesministerium der Justiz (2023): Trinkwasserverordnung (TrinkwV) – § 31 Untersuchungspflichten in Bezug auf Legionella spec.
- Robert Koch-Institut (2021): RKI-Ratgeber Legionellose
- Umweltbundesamt (2025): Empfehlung: Systemische Untersuchung von Trinkwasser-Installationen auf Legionellen
- VDI: VDI 6023 Blatt 1 (2023-09) – Hygiene in Trinkwasser-Installationen: Anforderungen an Planung, Ausführung, Betrieb und Instandhaltung
- DVGW-Arbeitsblatt W 551 (2004-04) – Trinkwassererwärmungs- und Trinkwasserleitungsanlagen, Maßnahmen zur Verminderung des Legionellenwachstums. Das Arbeitsblatt ist kostenpflichtig; Übersicht auf der DVGW-Themenseite Trinkwasser-Installation
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Die Inhalte dieses Artikels dienen der allgemeinen Information und ersetzen keine rechtliche, technische oder gesundheitliche Beratung im Einzelfall. Angaben zu Legionellen und damit verbundenen Gesundheitsrisiken sind allgemeiner Natur und stellen weder eine medizinische Beratung noch eine Bewertung einer konkreten Trinkwasseranlage dar. Für die Umsetzung in Ihrem Betrieb sollten Sie die konkrete Situation mit dem zuständigen Gesundheitsamt abstimmen. Dieser Artikel enthält Links zu Produkten von Aqvior.